Tradition
Kichizaemon XV. Raku, so sein offizieller Titel, nimmt
in Japan den Rang eines lebenden Staatsschatzes ein. Er ist ein Nachkomme
der Dynastie der Rakus, ausgehend von Chojiro, der im 16. Jhdt. gemeinsam mit dem Teemeister
Sen-no-Rikyu die Zen-Teezeremonie in den Rahmen gebracht hat, wie sie noch
heute durchgeführt wird - streng, schlicht und meist schweigend.
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Der Raku Prozess
Teezeremonie
Die auf den Zen-Teemeister Sen-no-Rikyu (1512 - 1591) zurückgehende
Form der Teezeremonie wird noch heute auf seine Weise durchgeführt. Es
ist eine schlichte und stille Zusammenkunft von Menschen, die eine Schale
Tee zubereiten und sie genießen.
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Tongewinnung
Ton ist Urmaterial, verwittertes Urgestein, das sich in den in der Eiszeit entstandenen
Urstromtälern ablagerte. Nach dem Abbau wird er in einem langwierigen Prozess
aufbereitet.
Er wird geschlämmt, gesiebt, gelagert und mit organischen Zusätzen im Frost
(mauken), gemischt, geknetet und kann dann erst verarbeitet werden. Heute wird
häufig auch Ton verwendet, der nach chemischer Analyse der Rohstoffe gemischt
und aufbereitet fertig im Handel zu kaufen ist. Künstlerisch arbeitende Raku
Keramiker nutzen Lehm vom Feldrand oder aus selbst erschlossenen Gruben.
Formgebung
Ton ist Medium. Ton in die Hand nehmen mit der Achtung vor
der Erde und dem Bewusstsein, dass viele Arbeitsgänge notwendig waren, um den Ton
zur Verarbeitung bereit zu machen. Die Tonpartikelchen werden nur durch die
Oberflächenspannung des Wassers und eine maximale Unordnung im Tonfüge zusammen gehalten.
Diese Unordnung muss erhalten und behutsam umgeformt werden. Die Persönlichkeit des Töpfers, seine innere Ausgeglichenheit und seine Geduld
findet in seinen Werken ihre eigene Form.
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Erster Brand
Ton brennen ist Veränderung. Im Feuer wird aus den Tonbestandteilen,
die anfangen, miteinander zu verschmelzen (Sintern), Irdenes, Keramik. Das
ist einer der ersten chemischen Vorgänge, die der Menschheit bekannt waren.
Der Brand ist unumkehrbar, er macht Veränderung besonders deutlich. Üblich sind zwei Brände. Den ersten
Brand nennt man Roh- oder Schrühbrand.
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Glasur
Raku-Glasuren sind niedrig schmelzende Glasuren, etwa 1000°C.
Durch extrem schnelle Abkühlung entstehen die typischen Glasurrisse.
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Brennofenbau
Raku brennen ist Spiel mit dem Feuer, es ist Abenteuer für sich. Natürlich gibt es kommerziell gefertigte Brennöfen.
Wenn aber auch der Ofen selbst gebaut ist, der die Urgewalt des Feuers bändigt,
wird Raku zu einem ganzheitlichen Prozess und einer in unserer Zeit seltenen
Erfahrung.
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Rakubrand
Die Technik des Raku findet in dem Glasurbrand ihren besonderen Ausdruck.
Raku wird in den heißen, vorzugsweise Gas- oder Holz-gefeuerten Öfen
eingesetzt, sehr schnell bis zum Schmelzen der Glasur gebrannt, rotglühend
entnommen, radikal in kaltem Wasser abgekühlt und in Sägemehl kurz
geräuchert. Im Gegensatz dazu wird Steinzeug oder Steingut behutsam - je
nach Brennofenart - in mehreren Stunden oder Tagen aufgeheizt und tagelang abkühlt.
Nachbehandlung
Unübliche Methoden der Nachbehandlung erhöhen den
Wert der Rakukeramik. Vergolden, Metalleinlagerungen, wie z.B. Blei und natürlicher
Baumlack oder Verbindungen mit Fremdmaterialien wie Holz, Eisen oder Glas erhöhen
den künstlerischen Ausdruck.
Kichizaemon, der
XV. Raku
© Nagel, 1999